CAD-Maschinenbau

ERICH GREISBERGER

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Führen sie ihren Beruf / ihre Tätigkeit gerne aus?

Ja, wobei man natürlich nicht immer und jeden Tag gerne arbeitet. Es wäre aber umgekehrt schade, wenn man die viele Zeit, die man bei der Arbeit verbringt, insgesamt nur negativ sehen würde.

 

Was hat der Wettbewerb für einen Stellenwert für sie gehabt? Was hat sich für sie verändert nach den Wettbewerben?

Der Bewerb Computerunterstütztes Zeichnen (CAD) fand soweit ich informiert bin bei meiner ersten Teilnahme auch erstmalig in diesem Rahmen statt. Mitte der 1990er Jahre waren solche Systeme noch nicht in allen technischen Büros etabliert, sodass dieser Bewerb damals vielleicht etwas mehr Aufmerksamkeit erhalten hat. Neue Technologien gut zu beherrschen hat recht oft einen hohen Stellenwert, das habe ich damals schon auch erfahren dürfen. Direkte berufliche Veränderungen ergaben sich damals bei mir nicht und waren auch nicht angestrebt. Bei allen Wettbewerben konnte man sich aber ein Bild der Leistung von Menschen mit verschiedenen Fähigkeiten machen. Auch Rollstuhlfahrer lassen sich beispielsweise von mit Füßen gemalten Bildern beeindrucken, die man selbst niemals auch nur in ähnlicher Form anfertigen könnte. Solche Eindrücke und auch Erfahrungen zu Bedürfnissen verschiedener Handicaps hinterlassen bei jedem ein differenzierteres Denken in diesem Zusammenhang.

 

Wie haben sie sich gefühlt beim Wettbewerb?

Beim Wettbewerb ist es aus meiner Sicht ähnlich wie bei allen Prüfungen – wenn man gut vorbereitet ist und einem die speziell gestellte Aufgabe liegt, ist es relativ einfach die Arbeit im vorgegebenen Rahmen zu bewältigen. Leider war das auch bei mir nicht immer im selben Ausmaß der Fall. Trotzdem war die Teilnahme immer mit positiven Erfahrungen verbunden, auch dann wenn man von der Platzierung her leer ausgeht.

Ich konnte mich insgesamt 4x für eine Teilnahme an den Internationalen Abilympics qualifizieren, deshalb war die Situation auch bei den nationalen Wettbewerben nicht immer gleich. Bei meiner Premiere waren die Eindrücke am stärksten und meine Erwartungshaltung relativ gering, ich war aber aus jetziger Sicht damals fachlich sicher am besten gerüstet. Das lag einerseits daran, dass ich meine schulische Ausbildung erst wenige Jahre zuvor abgeschlossen hatte und andererseits trotzdem schon einige Erfahrung bei der damals noch technologisch recht neuen Technologie des CAD sammeln konnte. Glücklicherweise konnte ich das auch bei den folgenden Abilympics ein Jahr später mit einem 2. Platz bestätigen.

Die folgenden Wettbewerbe waren für mich somit nicht mehr so ungewohnt. Trotzdem bleiben der Wettkampf und das Arbeiten gegen die Uhr immer herausfordernd.

 

Was waren für sie die Highlights?

Die schönsten Erinnerungen haben bei mir die Reisen zu den internationalen Bewerben hinterlassen. Neben Besuchen von Sehenswürdigkeiten, länderspezifischen Attraktionen oder die Teilnahme bei landestypischen Aktivitäten war auch der Teamgeist fast aller Teilnehmer beeindruckend. Ich möchte hier auch speziell erwähnen, dass die Organisation speziell der nationalen Wettbewerbe und auch die Betreuung bei internationalen Teilnahmen immer sehr gut und umfangreich war. Alleine diese Erfahrungen bleiben bei allen Teilnahmen an Berufswettbewerben in guter Erinnerung.

 

Wie haben sie nach Ihrem Arbeitsunfall wieder ins Berufliche Leben gefunden?

Ich bin seit einem Schulwegunfall 1990 querschnittgelähmt. Der Unfall passierte kurz vor meiner Matura an der HTL Salzburg. Die Matura konnte ich ein Jahr später bereits nachholen, wobei ich wegen meiner Einschränkung damals meine Projektarbeit als erster Absolvent mit Hilfe des CAD abwickeln durfte. Die vorhergehende, 5-jährige Ausbildung beinhaltet auch fachliche Praxisarbeit, die ich damals schon bei meinem jetzigen Arbeitgeber absolvierte. Bereits in der Rehaklinik hat mir mein Chef während eines Besuchs angeboten, nach absolvierter Matura im technischen Büro zumindest versuchsweise arbeiten zu können. Aus dem Versuch ist ein bis dato beinahe schon 30-jähriges Arbeitsverhältnis entstanden. Hilfreich war dabei natürlich auch die Unterstützung der AUVA bei der Ausrüstung und Adaptierung des CAD Arbeitsplatzes, was zur damaligen Zeit noch mit sehr hohen Kosten verbunden war. Auch der spätere Einbau eines Personenlifts in das Bürogebäude wurde entsprechend unterstützt.

Generell wäre zu sagen, dass eine fundierte Ausbildung auch für Personen mit speziellen Bedürfnissen die beste Möglichkeit für den Berufseinstieg ist und deshalb uneingeschränkt zugänglich sein sollte. Es braucht aber auch wie in meinem Fall Entscheidungsträger bzw. Unternehmer, die in vergleichbaren Situationen so handeln und vielleicht auch Risiken auf sich nehmen. Und es ist wichtig, dass Menschen erworbene Fähigkeiten ähnlich wie im Sport auch im Rahmen der beruflichen Wettbewerbe zeigen.

Letzte Änderung 22. Juni 2020 11:35 von michelitsch